Patient Care

Daten intelligent vernetzen

Außenansicht Therapiezentrum Burgau

Wenn Dokumentation Mehrwert schafft

Im Pflege-, Behandlungs- und Therapiekontext gibt es heute zahlreiche Systeme, in denen jeweils ein Teil relevanter Daten erfasst und Leistungen dokumentiert werden – analog, digital, hybrid. Für eine ganzheitliche Betrachtung der Patient*innen, für versorgungsrelevante Auswertungen und nicht zuletzt die Leistungsabrechnung müssen diese Daten strukturiert erhoben und zusammengeführt werden. Wie das über geeignete Schnittstellen möglich ist und Aufwände deutlich reduziert werden, zeigt ein Beispiel am Therapiezentrum Burgau: Als Fachklinik für neurologische Frührehabilitation versorgt das Therapiezentrum Burgau jährlich 700 bis 800 Patient*innen mit schweren erworbenen zerebralen Schädigungen.

Die Versorgung der Patient*innen in Burgau erfolgt professionsübergreifend und erfordert eine Dokumentation nach den Vorgaben des sogenannten OPS 8-552. Der Operationen- und Prozedurenschlüssel beschreibt die neurologisch-neurochirurgische Frührehabilitation nach festgelegten Standards. Darin sind nicht nur die pflegerischen, medizinischen und therapeutischen Maßnahmen festgelegt. Es ist auch vorgegeben, dass die Patient*innen während ihres Aufenthalts im Durchschnitt täglich 300 Minuten Therapie- und Pflegeleistungen erhalten. Nur wenn diese vollumfänglich nachgewiesen werden, können die Leistungen auch abgerechnet werden. Das bringt besondere Anforderungen an die Dokumentation mit sich. 

Strukturierte Daten gewinnbringend nutzen

Seit der Einführung der strukturierten digitalen Pflege- und Behandlungsdokumentation mit RECOM-GRIPS halten Pflegende in Burgau ihre Maßnahmen auf Basis der Pflegeklassifikation ENP (European Nursing care Pathways) fest. Hier werden pflegerische Fachbegriffe über eine semantische Struktur logisch miteinander verknüpft. In der Praxis sieht das so aus: Pflegende erheben anhand festgelegter Kriterien pro Patient*in Pflegediagnosen. Zur jeder Pflegediagnose bietet ENP automatisch konkrete Pflegeziele an, an die wiederum konkrete Pflegemaßnahmen gekoppelt sind. Daraus ergibt sich ein auf die Patient*innen zugeschnittener und dennoch standardbasierter Pflegeplan. „Diese strukturierten Daten bilden die Grundlage für die weitere Auswertung der nach OPS geforderten Minutenwerte für die therapeutische Pflege“, erklärt Kathrin Hirt, Project Manager Digital Health bei Thieme RECOM. 

Porträt Kathrin Hirt

"Strukturierte Daten bilden die Grundlage für die weitere Auswertung der nach OPS geforderten Minutenwerte für die therapeutische Pflege."

Kathrin Hirt, Project Manager Digital Health, Thieme RECOM.

Porträt Robert Schweihofer

"Wir haben ein konsistentes Gesamtbild der Versorgung und unsere Kolleg*innen können sich heute noch stärker auf die Versorgung konzentrieren."

Robert Schweihofer, Projektleiter für Digitalisierung, Therapiezentrum Burgau

Minutenwerte automatisch im Blick behalten

Die dokumentierten Maßnahmen sind mit den Leistungsanforderungen des OPS und den entsprechenden Zeitwerten verknüpft. Die OPS-relevanten Minutenwerte für die Pflege werden so täglich für jeden und jede Patient*in generiert. Bis hierher ist der Prozess bereits seit einigen Jahren durchgängig automatisiert. Einen Bruch gab es jedoch zwischen der Dokumentation der pflegerischen und der therapeutischen Leistungen. „Da wir die Behandlungsleistungen aller Professionen zusammenrechnen und transparent darstellen müssen, mussten wir bisher die Pflegeminuten nochmals händisch in ein anderes System übertragen. Das war zeitaufwendig und fehleranfällig“, berichtet Pflegebereichsleitung Bettina Vogt. 

Als im Zuge der KHZG-Förderung im Haus mit RehaTIS ein neues Therapieplanungssystem etabliert wurde, stand fest: eine Schnittstelle muss Pflege- und Therapiezeiten zusammenbringen. Diese Anforderung hat Thieme RECOM in enger Zusammenarbeit mit Softsolution, dem Anbieter des Therapietools, umgesetzt.

„Heute fließen die Daten täglich automatisiert aus der Pflege- und Behandlungsdokumentation GRIPS in das Therapieplanungssystem RehaTIS ein. Hier können wir nun Pflege- und Therapieleistungen zentral monitoren und haben jederzeit einen transparenten Überblick über die erbrachten Minutenwerte“, erläutert Robert Schweihofer, Projektleiter für Digitalisierung im Therapiezentrum Burgau. Für die Pflegenden entfällt damit die Nachdokumentation in einem anderen System. Zudem ist der Prozess weniger fehleranfällig und erhöht die Verlässlichkeit der Daten. Das Medizincontrolling kann jederzeit prüfen, ob Patient*innen ihre Leistungen erhalten haben und können bei Bedarf die Behandlungsmaßnahmen gegenüber dem Medizinischen Dienst nachweisen. 

Pflegeaufwand automatisch ermitteln

Auch die Anforderungen der PPR 2.0 konnten in einem KHZG-geförderten Projekt umgesetzt werden. Seit Juli 2024 sind Kliniken dazu verpflichtet, eine tägliche Einstufung des Pflegeaufwands für alle Patient*innen zu erheben. Über ein Modul in GRIPS werden Informationen aus verschiedenen Bereichen der Patientenakte – etwa aus dem Beobachtungsprotokoll oder dem Mobilisationsplan – analysiert und den Pflegeaufwandsgruppen zugeordnet. Pflegende müssen keine zusätzlichen Einstufungen vornehmen, sondern die Angaben lediglich prüfen, bestätigen oder gegebenenfalls anpassen. „Wir können den Pflegebedarf präzise ermitteln und erfüllen die gesetzlichen Vorgaben, ohne die Kolleg*innen zusätzlich zu belasten“, resümiert Bettina Vogt. 

PPR 2.0 – Pflegepersonalregelung

Die PPR 2.0 dient der Ermittlung des Pflegepersonalbedarfs in Krankenhäusern. Seit Juli 2024 müssen Einrichtungen den Pflegeaufwand ihrer Patient*innen täglich in 16 Aufwandsgruppen einstufen – getrennt nach allgemeiner Pflege (A) und spezieller Pflege (S). Die Einstufung reicht von 1 (geringer Pflegeaufwand) bis 4 (sehr hoher Pflegeaufwand) und bildet die Grundlage für Personalplanung und Nachweise gegenüber Kostenträgern.

Daten sinnvoll vernetzen

Simon Berger, Senior Director Products & Projects und Mitglied der Geschäftsleitung von Thieme RECOM betont: „Wenn Daten einmal strukturiert erhoben sind, können sie an vielen Stellen genutzt, mit Regelwerken verknüpft und über passende Schnittstellen in andere Systeme übertragen werden. Indem wir Lücken zwischen verschiedenen Systemen schließen, werden durchgängig digital gestützte, automatisierte Prozesse möglich.“ Dem stimmen die Verantwortlichen in Burgau zu und ergänzen: „Wir haben ein konsistentes Gesamtbild der Versorgung und unsere Kolleg*innen können sich heute noch stärker auf die Versorgung konzentrieren.“

Ausblick: Strukturierte Befundung für Therapieberufe

Aktuell arbeitet das Therapiezentrum Burgau gemeinsam mit Thieme RECOM an einer Lösung für eine strukturierte Therapie-Befundung. Unter anderem Physio-, Ergo- und Sprachtherapeut*innen sollen zukünftig auf Basis der „Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF)“ die Fähigkeiten und Einschränkungen der Patient*innen strukturiert erfassen können.

Porträt Bettina Vogt

"Wir können den Pflegebedarf präzise ermitteln und erfüllen die gesetzlichen Vorgaben, ohne die Kolleg*innen zusätzlich zu belasten."

Bettina Vogt, Pflegebereichsleitung, Therapiezentrum Burgau

Porträt Simon Berger

"Indem wir Lücken zwischen verschiedenen Systemen schließen, werden durchgängig digital gestützte, automatisierte Prozesse möglich."

Simon Berger, Senior Director Products & Projects, Member of the Management Board, Thieme RECOM

Pflegende bei der Dokumentation am PC

Siegen als Vorreiter: Pflegebedarfserfassung leicht gemacht

Die Pflegepersonalregelung PPR 2.0 ist komplex, gesetzlich verpflichtend und erfordert eine tägliche Dokumentation der Pflegeaufwände. Um den Pflegebedarf effizient zu erfassen, integrierte das St. Marien-Krankenhaus Siegen ein PPR-Modul in seine digitale Patientenakte RECOM GRIPS. Dieses ermittelt den Pflegebedarf der Patient*innen präzise und automatisiert. Das Personal wird entlastet.

Zwei Pflegekräfte sprechen über Daten auf Tablet

Dokumentieren mit RECOM GRIPS

Die modulare Softwarelösung ermöglicht eine digitale Pflege- und Behandlungsdokumentation in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Reha-Zentren und ambulanten Diensten. Die hinterlegte standardisierte Terminologie unterstützt Pflegende, Mediziner*innen und Therapeut*innen dabei, Daten einfach, einheitlich und in Echtzeit zu erheben. Das spart allen am Behandlungsprozess Beteiligten Zeit und garantiert ihnen immer Zugriff auf die aktuellen Patientendaten. Durch den Pflege- und Behandlungsmaßnahmen zugeordnete Zeitwerte ist zudem eine genaue Pflegepersonalbedarfsbemessung möglich, wie der Gesetzgeber sie fordert. Gleichzeitig kann die Software über standardisierte Schnittstellen einfach in bestehende Klinikinformationssysteme integriert werden.