
Denn sie wissen, was sie tun!
Stuttgart/Berlin, Oktober 2026 – Knappe Budgets, steigender Versorgungsbedarf und ein anhaltender Fachkräftemangel zwingen das Gesundheitswesen zum Umdenken. Die Frage ist nicht mehr nur, wie viel Personal zur Verfügung steht, sondern auch, wie vorhandene Kompetenzen bestmöglich eingesetzt werden können. Professionelle Pflege spielt dabei eine Schlüsselrolle: Dort, wo Aufgaben klar verteilt, Qualifikationen gezielt genutzt und Fachkräfte von fachfremden Tätigkeiten entlastet werden, profitieren nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Patientinnen und Patienten. Aktuelle Debatten über die Begrenzung des Pflegebudgets und die Abkehr von einer verbindlichen Personalbemessung (PPR 2.0) zeigen, wie groß der Spagat zwischen Kostendruck und Versorgungsqualität geworden ist. Beim Thieme Talk am 5. November diskutieren Expertinnen und Experten aus Medizin, Pflege, Politik, Krankenkassen, Verbraucherschutz und Medizinethik, wie eine gute Versorgung unter wirtschaftlichem Druck gelingen kann. Ist eine stärkere Professionalisierung der Pflege am Ende sogar der wirksamste Hebel für bessere Versorgung trotz knapper Kassen?
In der Diskussion um knappe Kassen stehen in der Regel Sparmaßnahmen wie Leistungskürzungen im Fokus. Hinzu kommt, dass das System aufgrund des Fachkräftemangels ohnehin unter Druck steht. Ein Beitrag aus der Thieme Fachzeitschrift CNE Pflegemanagement zum Thema Skill Mix zeigt anhand von Beispielen aus der Praxis eine andere Perspektive: Effizienz entsteht nicht durch Einsparungen, sondern dann, wenn qualifizierte Fachkräfte ihre Kompetenzen dort einsetzen können, wo sie den größten Nutzen für die Versorgung stiften.
Best Practice: Professionalisierung der Pflege und Skill Mix
In den RoMed Kliniken haben die Verantwortlichen die Aufgabenverteilung konsequent an den Kompetenzen der Mitarbeitenden ausgerichtet. Pflegefachpersonen konzentrieren sich auf komplexe pflegerische Aufgaben und die Steuerung des Pflegeprozesses, während Pflegefachassistenzen sowie Medizinische Fachangestellte delegierbare pflegerische, organisatorische und administrative Tätigkeiten übernehmen. So werden die vorhandenen Qualifikationen gezielter genutzt und Pflegefachpersonen dort eingesetzt, wo sie den größten Mehrwert für die Patientenversorgung schaffen.
Das Universitätsklinikum Münster arbeitet darauf hin, als sogenanntes Magnet-Krankenhaus zertifiziert zu werden. Der Fokus liegt hier auf einer starken professionellen Pflege. Die fachliche Weiterentwicklung der Mitarbeitenden wird gezielt gefördert und Pflegefachpersonen aktiv in Entscheidungen einbezogen. Dazu gehört auch die gezielte Entwicklung erweiterter Pflegerollen wie Advanced Practice Nursing (APN), die akademisch qualifizierten Pflegefachpersonen mehr Verantwortung in der direkten Versorgung ermöglicht. Das Modell zeigt, dass professionelle Pflege nicht nur die Versorgungsqualität verbessert, sondern auch die Arbeitgeberattraktivität steigern, Mitarbeitende langfristig binden und personelle wie finanzielle Ressourcen wirksamer nutzen kann.
Interdisziplinäre Versorgung stärken
Laut einer Thieme Umfrage sind für beruflich Pflegende die interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine bessere Aufgabenteilung mit mehr Professionalisierung die wichtigsten Aspekte für eine zukunftsfähige, patientenorientierte und effiziente Versorgung. Welche Stellschrauben es noch gibt, diskutieren Expert*innen wie beispielsweise Prof. Dr. Alena Buyx, Medizinethikerin an der Technischen Universität München, Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Christiane Schenderlein MdB, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit, auf Einladung der Gastgeberin Joana Hauff, Geschäftsführerin der Thieme Gruppe.
Mit Sandra Postel, Präsidentin der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen, ist eine starke Stimme für die Pflege vertreten. Sie wurde vom Bundesverband Pflegemanagement als Pflegemanagerin des Jahres 2026 ausgezeichnet. Seit Jahren wirbt sie dafür, Pflegefachpersonen entsprechend ihrer Qualifikation einzusetzen, pflegefremde Tätigkeiten zu reduzieren und die Profession Pflege als zentralen Akteur für die Bewältigung der Herausforderungen einer alternden Gesellschaft zu stärken.
„Eine hochwertige Gesundheitsversorgung entsteht dort, wo alle Berufsgruppen ihre Kompetenzen bestmöglich einbringen können. Gerade angesichts einer alternden Gesellschaft und knapper Ressourcen braucht es evidenzbasierte Entscheidungen, klare Verantwortlichkeiten und ein gemeinsames Ziel: die bestmögliche Versorgung für die Patient*innen. Wir sind überzeugt, dass Wissen, Qualifizierung und die kontinuierliche Weiterentwicklung von Kompetenzen dafür eine zentrale Voraussetzung sind“, so Joana Hauff.
Menschenzentrierte Medizin braucht eine starke Pflege
Mit seinen Angeboten für Ausbildung, Studium sowie Fort- und Weiterbildung begleitet Thieme Pflegende entlang ihres gesamten Berufswegs und unterstützt sie dabei, ihre fachlichen und persönlichen Kompetenzen kontinuierlich weiterzuentwickeln – damit sie auch in komplexen Versorgungssituationen professionell, patientenorientiert und verantwortungsvoll handeln können. Mit der Übernahme von Relias Deutschland baut Thieme sein Engagement in der Pflegebildung noch einmal deutlich aus.
Quelle:
Qualifikationsmix in der Krankenpflege: Der richtige Mix macht’s, CNE Pflegemanagement (1/2026); DOI: 10.1055/a-2760-0518