Bei einer DMEK ersetzen Chirurg*innen nur die erkrankten innersten Schichten der Hornhaut durch gesundes Gewebe. Die übrigen Hornhautschichten bleiben erhalten. Der minimalinvasive Eingriff führt zu einer schnellen Erholung des Sehvermögens und birgt im Vergleich zu anderen Transplantationsverfahren vergleichsweise niedrige Komplikationsrisiken.
Im Fokus der ausgezeichneten Studie stand die Frage:
Eignen sich auch Spenderhornhäute von Menschen, die nach einer Graue-Star-Operation eine künstliche Linse erhalten haben? Das ist wichtig, weil geeignetes Spendergewebe nur begrenzt verfügbar ist und der Anteil solcher Spenderhornhäute gleichzeitig wächst. Bisher gelten sie wegen möglicher Narben und Verwachsungen als schwieriger vorzubereiten und werden seltener genutzt.
Die Forschungsgruppe analysierte rückblickend 1171 Fälle einer DMEK und verglich dabei 870 Spenderaugen mit natürlicher Linse mit 301 Spenderaugen mit künstlicher Linse.
Die Ergebnisse
- Spendergewebe von Augen mit künstlicher Linse lässt sich schwieriger vorbereiten.
- Es kam häufiger zu Geweberissen, zusätzlichen Arbeitsschritten, erneuten Luftfüllungen im Auge oder weiteren Hornhauttransplantationen.
- Wenn die Transplantation jedoch erfolgreich durchgeführt wurde, waren die Ergebnisse beim Sehen vergleichbar mit denen anderer Spenderhornhäute.
Fazit
Wenn geeignetes Spendergewebe knapp ist, können diese Hornhäute eine wertvolle zusätzliche Spenderquelle sein – vorausgesetzt, erfahrene Operierende bereiten sie vor und transplantieren sie.
Prof. Dr. Siegfried Priglinger, Schriftleiter der „Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde“, hebt in seiner Laudatio die wissenschaftliche Exaktheit und unmittelbare klinische Relevanz der Studie hervor. „Die Arbeit liefert neue Erkenntnisse über die Eigenschaften pseudophaker Spendergewebe und eröffnet gleichzeitig konkrete Perspektiven, den verfügbaren Spenderpool sinnvoll zu erweitern.“ Das ermögliche mehr Patient*innen einen erfolgreichen Eingriff und besseres Sehen.
Die Preisverleihung hat im Rahmen des Kongresses der DOG Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V. in Berlin stattgefunden. Thieme gratuliert Annekatrin Rickmann und ihrem Team: Dr. med. Alexander Wolf, Dr. med. André Maurice Trouvain, Priv. Doz. Dr. habil. Dr. med. Maria della Volpe, Clara Eileen Englisch, Charlotte Semoulin, Priv. Doz. Dr. med. Karl T. Boden, Prof. Dr. Berthold Seitz und Fabian Norbert Fries.